Von Azur über Kobalt bis zum besonderen Blau einer bemalten Tür. Eine Studie über die prägende Farbe des Mittelmeers.
Die Geschichte will es, dass Klein und seine Freunde Arman und Pascal die Welt unter sich aufteilten. Arman nahm die Tiere, Pascal die Pflanzen, und Klein beanspruchte den unendlichen Himmel für sich. Für Klein war der Himmel eine reine und vollkommene Schöpfung, und er verfluchte die Vögel, die dieses perfekte Kunstwerk beschmutzten.

"Having rejected nothingness, I discovered the void."
Yves Klein wurde 1927 in Nizza geboren, auf der sonnigen Seite Frankreichs. Er wuchs in einem künstlerischen Umfeld auf, beide Eltern waren Maler. Schon früh begann Klein, mit Kunst zu experimentieren, und widmete sein kurzes Leben später der Malerei, der Musik und der Performance.
Kleins Faszination für den unendlichen Himmel sollte in seinem späteren Werk nachhallen. Sein berühmtes Mittelmeerblau spielt auf seinen Besitzanspruch am Firmament an. Die Schlichtheit und Reinheit des Mittelmeerblaus erschütterte die Kunstwelt und ließ viele über die Absichten des Künstlers rätseln.
Kleins Ausstellung 1957 in Mailand verblüffte so manchen Besucher: elf formatgleiche monochrome blaue Bilder, jedes mit einem anderen Preisschild. Die Ausstellung hinterließ bei den Gästen einen bleibenden Eindruck, denn man reichte ihnen Cocktails mit einem blauen Farbstoff, der sie tagelang blau urinieren ließ – eine fließende Erinnerung an die Faszination des Künstlers für diese Farbe.

Mittelmeerblau weckt ein Gefühl von Mystik und Reinheit, das Klein selbst in seinen Bann zog. Sein Ziel war es, die Sinne und den Geist des Betrachters anzuregen. Der Betrachter sollte durch die Kunst eine Meditation erleben, und da Klein Blau für die Farbe des Unendlichen und der Leere hielt, forderten Kunst wie Künstler ihn auf, alle übrigen Grenzen abzulegen und sich der Unendlichkeit hinzugeben.
Für Klein stand Blau für Geist, Himmel und Wasser und für die Weite dieser Elemente. Kleins Besessenheit von Reinheit und Schlichtheit in jeder Form und Gestalt trieb ihn dazu, eine elf Minuten lange Einton-Symphonie zu schreiben, auf die eine Symphonie der Stille folgte – was die Leute über seine künstlerischen Kapriolen noch mehr rätseln ließ. Klein faszinierte die verbindende Kraft der Farbe, und Mittelmeerblau lässt endlose geistige Freiheit und Transzendenz anklingen. Seine Kunst verblüffte die Zeitgenossen – weil sie eine Ideologie auf so einfache und reine Weise verkörperte.
Ob Kleins Werk seinen Weg durch die Kunstgeschichte gemacht und dabei Leerstellen geschaffen hat, ist eine andere Frage. Doch er hat etwas Neues geschaffen, und seine Vorstellungen von Raum und Farbe, allen voran das „Klein-Blau“, werden bleiben. Vermutlich ganz nach Kleins Geschmack …